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Von Ludger Bickschlag

GESCHÄFTSFÜHRER, 18, SUCHT ...

Was macht Bernd Deeken mit gerade mal achtzehn Jahren als Geschäftsführer aus, dass den jungen, etwas schlaksig daherkommenden, coolen, 1,90m-typ mit Laptop und Handy auf dem Fahrrad durch Cloppenburg radeln lässt. Auf jeden Fall seine freundliche und unbekümmerte Art. Er achtet besonders auf Alltäglichkeiten, die er hinterfragt. Sei es fehlende Einkaufskörbe in mitten eines Supermarktes oder die Neugierde an einem Firmenlogo eines Geschäftspartners. Deeken könnte, wenn man sich auf sein Alter fokusiert, als unerfahren und noch als „grün hinter den Ohren“ beschrieben werden. Doch wenn er an seinem Schreibtisch locker sitzt und vor drei Großbildschirmen den Curser nur so hin und her jagt, bekommt man sehr schnell einen Eindruck davon, mit welcher Geschwindigkeit und Präzision er an die Arbeit herangeht.

Auch typisch Bernd Deeken, der gerade nachts ungestört arbeiten kann, denn dann „schlafen meine Kunden“ – selbst ausgeschlafen und zeitlich einfach 24 Stunden flexibel. Der Spaß an der Arbeit spürt man bei ihm und unbekümmert geht er einfach an das Problem heran. Wenn da nicht die Schule im Nacken wäre. Oft hinterfragt er selbsterfahrend die „IT-Lücken“ im Bildungssystem. Ab und zu kopfschüttelnd und unterfordert kommt er nach Hause und weiß schon jetzt, dass er seine Firma ausbauen will. Fachkräftemangel im IT-Bereich? Auch davon kann der IT-Experte schon jetzt ein Lied singen. „Die Bewerber müssen genauso gut und motiviert wie ich selbst sein“, so Deeken selbstbewusst. Sein Netzwerk pflegt er bei spontanen Grillevents auf der Hofeinfahrt seiner Eltern. Eine Generation der Unbekümmertheit scheint sich auf den Weg zu machen, weit weg von geregelter Arbeitszeit und klarer Struktur. „Die Welt da draußen ist so verrückt und viele Kunden wollen schnell das Server-Problem gelöst haben“ wird Bernd Deeken tagtäglich auf seine Schnelligkeit zur Lösung von Problemen gefordert, denn Zeit ist Geld in der IT-Welt. Wenn die Computer stillstehen ist auch Stillstand bei den Maschinen und dass kann ganz schnell in die Hunderttausende gehen, wissen Deeken und seine Kunden. Vor Ort ist immer mehr die Unabhängigkeit von großen Dienstleistungsanbietern gefragt. Man will den Experten vor Ort schnell bei sich haben, es sind fast „Hilferufe“, die sich aus der „Industrie 4.0.“ inzwischen ergeben. Die umfassende Digitalisierung der industriellen Produktion erfordert Experten und die „wachsen nicht auf Bäumen“ so Deeken. Wenn ich Bewerbungen mir durchsehe frage ich mich immer, ob sie zu meinem Unternehmen passen, in dem ich selbst alles für meine Kunden gebe“ hat Deeken selbst die Messlatte zur Zusammenarbeit mit IT-Experten hochgelegt. Das muss er auch, denn die Probleme werden immer komplexer und häufen sich rasant schnell. Fortschritt und Probleme wachsen parallel nebeneinander. Es geht immer mehr um Schnelligkeit und immer weniger um gewissenhafte Genauigkeit. Zeit mitbringen und Geduld haben sind die Zauberwörter der Zukunft weiß Deeken, der sich selbst nie aus der Ruhe bringen lässt. Und dass als Jungunternehmer, der sein Berufsleben noch vor sich hat. Neben dem Lösen von Problemen hat Deeken auch eigene Visionen. Mit einem Geschäftspartner ist er aktuell dabei das Online-Marketing für sich und seinen Partner zu entwickeln. Auch das geht schnell. Auf einer Flipchart im Büro schnell mit gezeichnetem Orga-Diagramm den Aufbau skizziert geht’s dann gleich an die Sicherung einer Domain heran. Videos werden die Zukunft sein, sind sich er und sein Partner, der noch nicht genannt werden will, sicher. Noch tauschen wir Visitenkarten aus was in naher Zukunft kurze Spots von Firmenchefs mit Ihren Mitarbeitern sein werden. Wenn Spracherkennungssysteme inzwischen Einzug halten, wir Menschen kaum noch Lesen sondern mehr Sehen wollen und im schnellen Konsumieren zuhause sind, dann wird dies auch im Marketing immer mehr wichtig werden. Statt klassischer Stellenanzeige in Zeitungen demnächst der Werbespot vom Firmenchef in den Sozialen Medien. Im Internet mit der Website nicht weiter Texte und Fotos sondern bewegte und authentische Blogs, die den Website-Besucher binden. Kundenbindung in ganz neuen Dimensionen werden wir entwickeln müssen, wenn sich Firmen zu erkennen geben wollen, ist sich Deeken sicher. Ideen haben und sie auch schnell umsetzen wird die Zauberformel sein. Wenn man den IT-Experten nach Aufgaben- oder Problemfeldern befragt sind es beson- ders die Digitalisierung von Geschäfts- und Prozessablaufen. Vor allem in der Industrie- branche sind es inszwischen Großkunden, die komplexe Abläufe immer mehr vor tech- nischen Herausfoderungen stellen. Da sind oft die Experten in den Firmen mit „ihrem Latein am Ende“. Das wundert Deeken nicht, denn wenn es um große Investitionen geht wird hier zwar zukunftsorientiert „Hard- ware“ gekauft jedoch bei der strategischen Planung im Zusammenhang mit ausgebil- deten Fachkräften man sich schwer tut. Wie sollen heute auch Entscheider in der rasanten IT-Welt noch schritthalten, fragt sich Deeken oft selbst. Vor Aufträgen kann sich der Jungunternehmer kaum retten muss er schon heute manch liebgewordenen Stammkunden aus der Vergangenheit absagen, wo er noch vor ein paar Jahren für 5 Euro die Stunde einen PC repariert hat. Dennoch ist Deeken bodenständig und wenn ein guter Freund mit seinem Smartphone nicht klarkommt dann beseitigt er im Handumdrehen immer noch kleine Probleme. Das wird vielleicht in Zukunft eine entscheidende Eigenschaft sein, dass es immer mehr nicht nur um Fachkenntnisse geht, sondern das wir, wenn auch immer mehr mit Robotern zu tun haben, am Ende noch der Mensch entscheidet. Denn wohin soll die Reise mit der Digitalisierung gehen? Dahin, dass immer mehr junge Menschen bald mit etwa 30 Jahren vor einem Burnout stehen. Das unser Schulsystem heute noch gar nicht auf die Anforderungen der rasanten Entwicklungen in der IT-Branche ausgelegt ist. Deeken hat hier kein Patentrezept jedoch sollten Politik, Wirtschaft, Schulen sich mehr an einen Tisch setzen, damit vor allem Deutschland nicht den Anschluss im World Wide Web verliert. „Wir sind einfach zu lahm und der Mut zu revolutionären Veränderungsprozessen fehlt den Entscheidern in dieser Republik“ ist sich Deeken sicher. Er wünscht sich einfach ein mehr Miteinander als sich gegenseitig etwas vorzumachen. Wenn es uns gelingt, die Generation Z (Geborene von etwa 1995 bis 2010) frühzeitig in strategische Firmen- und Bildungsprozesse einzubinden werden wir wirklich etwas in Deutschland bewegen. Ganz nach dem Song von Herbert Grönemeyer „Gebt den Kindern das Kommando“... So gehört ACER INSIGHTS in Hamburg jähr- lich zu seinem Pflichtbesuch. Hier lernt man mit neuen Begriffen wie „Modern Workplace“ umzugehen. Und nicht jeder kommt hier hin, denn der taiwanische Computerhersteller lädt exklusiv nur etwa 200 IT-Experten deutschlandweit ein. „Ich bin schon stolz darauf, das ich schon mit 17 zu diesem Kongress eingeladen wurde“. Man darf gespannt sein, auf welchen digitalen Autobahnen der Cloppenburger Jungunternehmer noch zu sehen sein wird.

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