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Im Funkloch "verhungert" Futter-Automat

Die großen Lücken in der Mobilfunk-Versorgung verhindern Sicherheitsupdates und die Fehlerbehebung per Fernwartung. IT-Fachmann Bernd Deeken erwartet keine Besserung durch den 5G-Ausbau.


Von Hubert Kreke Cloppenburg Wenn Bernd Deeken die EDV von Bauer B. wartet, wiederholt sich regelmäßig ein Schauspiel aus der digitalen Steinzeit: Weil der Hof in Elsten in einem der über 80 Funklöcher des Landkreises liegt, wuchtet der 18-jährige Unternehmer das Gerät aus dem Hof-Büro, trägt es in sein Auto und fährt nach Cloppenburg in die Firmenzentrale, um ein simples Sicherheitsupdate hochzuladen.

Deekens „Hol- und Bringdienst“ ist schneller als das Netz in Cappeln, wo der Download im Schneckentempo von 0,6 Megabit pro Sekunde abläuft. 50 MB sind in Cloppenburg inzwischen Standard. „Da kann ich besser hin- und herfahren, als vor dem PC zu warten“, sagt der Jungunternehmer. Was in Cloppenburg in Minuten erledigt ist, dauert in Cappeln oder Varrelbusch schlimmstenfalls Stunden. Eine Lösung ist der „Pendeldienst“ für die meisten Betriebe nicht.

Denn die Fernwartung über das Mobilfunknetz ist überall dort, wo kein Glasfaserkabel verfügbar ist, längst notwendiger Standard. Höfe, die abseits der digitalen Grundversorgung liegen, sind genauso abgehängt wie Wohnhäuser. Automatisierte Fütterungssysteme, die Klimatisierung im Stall oder im Haus und die Photovoltaik-Anlage auf dem Dach werden längst von unterwegs aus per Smartphone oder Tablet kontrolliert und gesteuert.

Die IT-Dienstleister und Software-Lieferanten, die solche Anlagen bespielen, benötigen für die Fehlerbehebung per Fernwartung eine stabile Datenübertragung, mindestens im 4G-Standard. In vielen Gebieten des Landkreises ist nicht einmal 3G ständig verfügbar. „Einen Online-Shop könnte niemand in so einem Funkloch eröffnen“, sagt Deeken.

Selbst die 3G-Grundversorgung, die zumindest Telefonate und Textnachrichten erlaubt, wird zunehmend löchriger. „Es sind praktisch auf einen Schlag viele neue Geräte hinzugekommen“, erklärt der Cloppenburger. Wer ein Smartphone besitzt, schafft sich zum Tablet auch noch eine Armbanduhr mit Datenempfang an und fährt ein Auto mit Internet und Mobilfunkverbindung. „In jedem Gerät steckt eine SIM-Karte und alle greifen auf den nächsten Sendemast zu“, sagt der IT-Mann. Das Ergebnis: Überlastung.

Deekens Team arbeitet wie die meisten IT-Dienstleister auch von unterwegs aus: Fehlermeldungen gehen auf dem Tablet ein. „Viele Probleme erkenne ich schon, bevor der Kunde das merkt“, sagt er, aber: „Ich muss die Infos auch irgendwie herunterladen und weitersenden können.“ Die tägliche Praxis seiner Mitarbeiter: im Auto raus aus dem Funkloch fahren, Auftrag erledigen und zurück zum Kunden. Von Cloppenburg aus klappt die Fernwartung dagegen problemlos bis nach München, Köln, aber auch nach Friesoythe. Die Verheißungen des neuen 5G-Standards sieht der Praktiker eher skeptisch. Denn die großen Anbieter planen quasi im Gegenzug den Rückbau des 3G-Netzes zugunsten der schnelleren 5G-Übertragung.

Das alte Standardnetz ist jedoch für Deeken und Co. oft der letzte Rettungsanker. „Wir reden über einen Abbau der Grundversorgung, weil wir hoffen, dass rechtzeitig etwas Besseres kommt“, folgert der Cloppenburger. Vodafone will spätestens 2021 sein gesamtes 3G-Netz abschalten, die Telekom sichert diese Grundversorgung nur noch bis Ende nächsten Jahres zu. Deeken hofft auf eine nationale Offensive, die über 20 Jahre lang versprochen worden ist, aber nie kam. „Wenn wir jetzt nicht ganz schnell Gas geben, werden wir andere Länder nicht mehr einholen“, sagt er. Dazu gehört das schnelle Internet. Denn ohne Glasfasernetz stünden die Sendemasten des Mobilfunks isoliert im Nirgendwo.

Selbst da, wo die Leitungen bereitstehen, gibt‘s Probleme: Deekens Firma wartete zwei Wochen lang auf eine Internet- Freischaltung, obwohl Kabel und Dose fertig installiert aus der Wand lugten. Die Profis mussten per Mobilfunk überbrücken. Deeken: „Das war richtig teuer.“

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